Aktuelles aus der Ratsfraktion

Ansprechpartnerin für Alleinerziehende

Rede unserer Stadtverordneten Ilona Schäfer in der Sitzung des Rates am 20.12.2010

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,

warum sollte es in den künftigen Jobcentern gesonderte AnsprechpartnerInnen für Alleinerziehende geben? Diese Frage möchte ich Ihnen beantworten und ich will ihnen auch gleich sagen, warum sie nicht nur für die Alleinerziehenden wichtig ist, sondern für alle eine Bereicherung darstellen würde.

Erstens: Wir wollen keine zusätzlichen Stellen oder zusätzliches Personal – und ich kann Herrn Lenz, der heute nicht hier ist, beruhigen – wir wollen auch keine zusätzlichen Aufgaben für ihr ohnehin schon stark belastetes Personal. Wir wissen um die große Zahl der unbesetzten Stellen und die z.Zt. hohe Fluktuation. Wir wollen lediglich, dass geprüft wird ob man nicht eine etwas andere Umverteilung vornehmen sollte. Ich komme – wie einige von Ihnen wissen – aus dem Gesundheitswesen. Und dort gibt es auch nicht nur Allgemeinmediziner. Dort gibt es für chronisch Kranke sogenannte Disease Management Programme, durch die chronisch Kranken Menschen eine spezielle Behandlung zu Teil wird – sie werden von spezialisierten Ärzten und Kliniken betreut. Und ähnlich verhält es sich mit arbeitslosen Alleinerziehenden. Sie sind zwar nicht krank, aber auch bedürfen einer gezielten Betreuung durch speziell geschultes Personal. Und wenn ich hier von arbeitslosen Alleinerziehenden rede, dann denke ich in erster Linie an Frauen. Ja, es gibt auch ein paar allein Erziehende Väter, aber das ist doch die absolute Minderheit. Daher möchte ich mich hier auf die Frauen konzentrieren, denn sie sind überdurchschnittlich arm.

Zweitens: Was wollen wir erreichen? Alleinerziehende sind überdurchschnittlich arm. Und das belastet nicht nur die Alleinerziehenden, das belastet uns alle. Auch wenn es für die Mütter weitaus härter ist. 31 % der alleinerziehenden Mütter und 19% der alleinerziehenden Väter beziehen Hartz IV oder Sozialhilfe. Fast ein Drittel der Mütter in Paarbeziehungen finanziert den Lebensunterhalt mit Hilfe des Einkommens von Familienangehörigen. Bei Alleinerziehenden ist der Anteil verschwindend gering, bei ihnen übernimmt der Staat die Rolle des Versorgers. Fast ein Drittel ist auf Transferzahlungen angewiesen, so die Daten des Statistischen Bundesamtes. Daher muss es in unser aller Interesse sein, diese Menschen so schnell wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Warum spezielle AnsprechpartnerInnen? Zum einen, weil andere damit gute Erfahrungen gemacht haben, z.B. Solingen. Und zum anderen, weil die Gender Untersuchungen der ARGEn genau das empfohlen haben. Das überzeugt sie nicht? Dann möchte ich es ihnen anhand eines Beispiels erklären: Eine Alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern braucht nicht nur eine auskömmliche Arbeit, sie braucht außerdem einen Kindergartenplatz und eine Schule, die Nachmittagsbetreuung gewährleistet. Und nicht das eine in Langerfeld, das andere in Vohwinkel und dazu ein Arbeitsangebot in der Firma X in Barmen mit Schichtbetrieb. Womöglich würde auch ein Schulwechsel negative Auswirkungen auf das Kind und seine Leistungen haben und man sollte nach alternativen Betreuungsmöglichkeiten suchen. Wenn man da ein Beratungs-Hopping vermeiden will, sollten wir unsere Wuppertaler Mutter direkt zu einem Menschen schicken, der/die genau diese Probleme kennt und daher weitaus spezifischer denken, beraten und betreuen kann.

Und wenn jetzt jemand meint, dass wird doch heute schon alles mit bedacht, dann ist das so nicht der Fall, denn die betroffenen Frauen erzählen uns etwas anderes. Es handelt sich eben nicht um Standardfälle, die alle Mitarbeiterinnen gleichermaßen beherrschen, beherrschen können! Daher ist es nach unserer Auffassung sinnvoll, wenn sich um diese Fälle Spezialisten kümmern. Dadurch wird gleichzeitig der Rest des Teams entlastet – die Aufgaben werden also lediglich umverteilt.

Es wäre schade, wenn dieser Antrag, der lediglich ein Prüfauftrag ist, nicht bereits jetzt ins Verfahren gehen könnte, denn die Job-Center kommen schon in aller nächster Zeit. Und daher wäre es sinnvoll, darüber heute zu entscheiden und die Alleinerziehende in Wuppertal nicht weiter zu vertrösten.

Daher bitte ich sie, lassen sie uns wenigstens prüfen, ob wir nicht doch richtig liegen und stimmen sie diesem Prüfantrag zu.

Vielen Dank!

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21.12.2010

Die GRÜNEN in Wuppertal
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