Anfragen der Fraktion

Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt

"Anfrage an den Ausschuss für Soziales, Familie und Gesundheit am 10.02.2011

Die Antwort finden Sie am Ende der Anfrage."

“Sehr geehrter Herr Norkowsky,
sehr geehrte Damen und Herren,

Arbeitsplätze sind Mangelware. In manchen Arbeitsbereichen scheint der Arbeitsmarkt geradezu zusammen gebrochen zu sein. Die Angst vor einem Wechsel aus einem unbefristeten Arbeitsverhältnis in eine neue Probezeit hinein oder die Angst vor einer Schlechterstellung in einem neuen, verantwortungsvolleren Job tun ihr Übriges.
Trotzdem oder gerade auch deshalb herrscht ein eklatanter Fachkräftemangel, den auch die Stadt Wuppertal etwa bei der Einstellung neuer ErzieherInnen oder neuer Feuerwehrleute deutlich spürt.
Für Menschen mit Behinderung aber birgt der Arbeitsmarkt zusätzliche, deutlich höhere Hürden. Für sie ist es trotz eines ausgefeilten Hilfe- und Unterstützungssystems nahezu unmöglich, in regulären Jobs Fuß zu fassen. Dabei verlangt die UN-Behindertenrechtskonvention, dass Menschen mit Behinderungen das gleiche Recht haben, ihren Lebensunterhalt durch ein Beschäftigungsverhältnis auf dem offenen Arbeitsmarkt zu verdienen (Artikel 27). Hierbei sollte die Stadt Wuppertal eine Vorbildfunktion einnehmen.

Deshalb bittet die Ratsfraktion von Bündnis 90/DIE GRÜNEN um Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Wie viele junge Erwachsene mit Behinderung in Wuppertal suchen einen Ausbildungsplatz oder eine Ausbildungsstelle? Wie viele davon sind in einem Leistungsbezug, wie viele befinden sich in Maßnahmen der Arbeitsagentur oder des Jobcenters? Wie hoch ist die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung im Arbeitsagenturbezirk Wuppertal?

2. Wie hoch ist die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung bei der Stadtverwaltung Wuppertal als einer der größten Arbeitgeber vor Ort?

3. Wie alt sind die Menschen mit Behinderung, die bei der Stadtverwaltung Wuppertal beschäftigt sind? Wie hoch ist die Beschäftigungsquote und wie groß ist die absolute Zahl der Gruppe der bis zu 25-Jährigen, der 26-35-Jährigen, der 36-45-Jährigen, der 46-55-Jährigen und der über 56-Jährigen?

4. Wie viele junge Erwachsene mit Behinderung bildet die Stadtverwaltung Wuppertal in absoluten Zahlen aus? Wie groß ist ihre Quote unter den Auszubildenden insgesamt?

5. Ist davon auszugehen, dass das Erreichen der verpflichtenden Beschäftigungsquote zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung bei der Stadtverwaltung Wuppertal u.a. der Tatsache geschuldet ist, dass die MitarbeiterInnen bei der Stadt im Mittel deutlich älter werden und mit dem schrittweisen Erreichen der Altersgrenze auch chronische Erkrankungen zunehmen?

6. Ist davon auszugehen, dass das Nicht-Erreichen der verpflichtenden Beschäftigungsquote zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung bei der Stadtverwaltung Wuppertal in der Gruppe der bis zu 35-Jährigen u.a. der Tatsache geschuldet ist, dass die Stadtverwaltung Wuppertal keine jungen Erwachsenen mit Behinderung ausbildet?

7. Warum bildet die Stadtverwaltung Wuppertal nahezu keine Menschen mit Behinderung zu qualifizierten Fachkräften aus? – Ergänzend zu 7: Hat dies etwas mit dem Ausbildungssystem in der Stadtverwaltung Wuppertal zu tun und damit mit einer Überbelastung der Ausbilder? – Ergänzend zu 7: Hat dies mit einer schlechteren Qualifizierung von jungen Erwachsenen mit Behinderung gegenüber ihren Altersgenossen ohne Behinderung zu tun? – Ergänzend zu 7: Hat dies mit baulichen Voraussetzungen innerhalb der Stadtverwaltung Wuppertal zu tun? – Ergänzend zu 7: Glaubt die Stadtverwaltung Wuppertal, dass die Ausbildung von jungen Erwachsenen mit Behinderung auch vor dem Hintergrund der gesetzlichen Verpflichtung zur Inklusion eine freiwillige Leistung ist? – Ergänzend zu 7: Hat dies mit steigenden Anforderungen an die MitarbeiterInnen zu tun, mit einer höheren Flexibilisierung der Arbeitsprozesse, der Arbeitsbereiche und -orte? – Ergänzend zu 7: Ist mit der Flexibilisierung der Arbeitsprozesse (die eine Konsequenz aus der angestrebten Personaleinsparung der Verwaltungsspitze ist) auch verbunden, dass hochqualifizierte MitarbeiterInnen künftig Aufgaben mit übernehmen, die auch von Menschen mit einer geringeren Qualifikation (also z.B. auch von Menschen mit Behinderungen) übernommen werden könnten?

8. Was gedenkt die Stadtverwaltung Wuppertal zu tun, um die Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung in der Stadtverwaltung selbst zu erhöhen?

9. Was gedenkt die Stadtverwaltung Wuppertal zu tun, um eine Erhöhung der Beschäftigungsquote von Menschen mit Behinderung bei anderen Arbeitgebern in Wuppertal anzuregen?

10. Was gedenkt die Stadtverwaltung Wuppertal zu tun, um die Beschäftigungsquote von jungen Erwachsenen mit Behinderung in der Ausbildung bei der Stadtverwaltung selbst zu erhöhen?

Mit freundlichen Grüßen

Ilona Schäfer
Ausschussmitglied

Peter Vorsteher
Fraktionsvorsitzender”

Weitere Informationen finden Sie in diesem PDF-Dokument

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03.02.2011

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Die GRÜNEN in Wuppertal
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